Weil Geschmack verbindet ...


Insel-Gala - Köche-Festival ließ für die „Stiftung KinderHerz“ die Sterne über Helgoland aufgehen
Von Klaus Lawrenz

Zum Abschluss gab es stehenden Applaus für das Köche-Team: Ganz entgegen der sprichwörtlichen norddeutschen Unterkühltheit hatten sich die Gäste im „atoll ocean resort“ von ihren Plätzen erhoben, um den ChefHeads für einen Abend zu danken, den es so zuvor noch nie auf Helgoland gegeben hatte.


Spitzenkoch Dieter Müller war mit namhaften Kollegen wie dem sternedekorierten Christopher Wilbrand, Eurotoques-Koch Markus Haxter, Küchenmeister Michael Kreiling und Zuckerkünstler Georg Maushagen anlässlich der Ernennung von Resort-Küchenchef Stefan Madeheim und Dieter B. Schmidt zu Vizepräsidenten der ChefHeads auf die Insel gekommen. Die große Koch-Gala am 17. April 2010 im Hotel „atoll ocean resort“ sollte den Gästen aber nicht nur kulinarische Hochgenüsse bieten, sondern zugleich etwas für den guten Zweck tun. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Stiftung KinderHerz zugute, deren Arbeit 3-Sterne-Koch Dieter Müller als Botschafter und die ChefHeads als Charity-Partner unterstützen.


Knapp 100 Gäste konnten sich so auf Crème Brûlée von der Gänseleber mit einer Praline von der Gänseleber, Steinbutt mit Mango-Limetten-Chutney an Ricotta-Nocke im Korianderschaum, lauwarmen Hummer mit Schaumnudeln von Pinien und Oliven im eigenen Sud, asiatisches Rinderfilet mit Shiitakepilz-Sauce und Pok Choy, süßsaure Entenbrust mit Glasnudelsalat, Sakura-Kresse und Sesam-Vinaigrette sowie Bisonfilet mit Sommertrüffel freuen. Als süßen Abschluss hatte das Kochteam ein „Dessert Hanabi“ mit Schaum von weißen Holunderblüten mit Fresiennote, Kürbiskernböden mit eingebackenen Himbeeren und einer Na­page vom grünen Matcha-Tee serviert. Dazu wurde ein Frucht-Ragout in einem Kräuter-Gewürzsud gereicht sowie eine aus Zucker geblasene, mit einem Sorbet von rosa Prosecco gefüllte Erdbeere. Damit nicht genug: Zum Kaffee kamen als „helgoländer“ Konfekt „Helgoländer Perlen“ mit einer flüssig gefüllten Cassis-Krustenpraline mit Ingwernote in Zartbitterschokolade sowie die „Lange Anna“ aus einer Hülle von Vollmilchschokolade in Form des Insel-Wahrzeichens mit einer Nougat-Knusper-Füllung.


„Dieses Festival war eine absolute Sensation“, zeigte sich Hoteldirektor Christian Langer rundum zufrieden: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, so etwas in jedem Jahr anzubieten.“ Hotel-Besitzer Arne Weber zeigte sich nicht weniger angetan vom Abend („Ich bin unterm Strich sehr begeistert!“), fand aber schade, dass im Vorfeld nicht mehr Werbung für das Event gemacht wurde: „Ich bin mir sicher, dass wir aus Hamburg noch etliches mehr hätten mobilisieren können, denn das hätte dieser Abend allemal verdient.“ Auch der Unternehmer ist einer Wiederholung nicht abgeneigt, „aber davor müssen wir das auch wirtschaftlich betrachten. Mit einer etwas anderen Verpackung und noch Helgoland-spezifischer bin ich mir sicher, dass wir für Bremer oder Hamburger Gäste einen noch größeren Anreiz zum Besuch der Insel schaffen können.“ Gerade der gute Zuspruch der vielen Einheimischen bei der Premierenveranstaltung freute derweil Küchenchef Stefan Madeheim besonders. Seit einem knappen halben Jahr zeichnet er für die Küche des Hauses verantwortlich, mit der er auf Helgoland zu einer gastronomische Marke werden möchte. „Es gehört schon unheimlich Mut dazu, so etwas auf Helgoland zu veranstalten,“ blickt Hoteldirektor Christian Langer auf die schwierige Logistik in der Vorbereitung zurück. Denn nicht nur das Wetter ist ständiges Risiko für die Hotelbetreiber auf dem Eiland – auch die knapp 70 Kilometer Wasser zwischen dem Lung Wai und dem Festland sind eine Herausforderung. „Alleine, einen der zusätzlichen Herdblöcke für die Veranstaltung zu uns bringen zu lassen, kostet rund 300 Euro,“ lässt sich Langer in die Karten blicken. Aber das „ocean atoll resort“ hatte auch generöse Unerstützung für das Cahrity-Projekt: So hatte zum Beispiel die Firma BOHNER dem Hotel die zwei Frontcoooking-Stationen unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Schon zu Beginn des Jahres hatte sich ChefHeads-Präsident Guido Fritz direkt an die Mitglieder des Culinary-Teams gewandt: „Ich hatte natürlich damit gerechnet, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen melden würden, denn Helgoland ist ja auch ein sehr attraktiver Veranstaltungsort.“ Einigen deshalb absagen zu müssen, fiel Guido Fritz deshalb auch nicht leicht. Für die anderen startete das Unternehmen „Sterne über Helgoland“ dann am frühen Freitagmorgen des langen Aprilwochenendes. Alleine aus dem Rheinland starteten vier Pkw in Richtung Cuxhaven, wo um 11.30 Uhr der gebuchte Katamaran zur Insel ablegen sollte. Zuvor hatten die Gastköche Rezepte und Zutatenliste zu ihrem Kollegen Madeheim gemailt. Trotzdem waren die großen Transportkisten einiger Köche am Pier unübersehbar: Georg Maushagen hatte seine Zuckererdbeeren vorgefertigt und bruchsicher verstaut und auch die „Lange Anna“ aus Schokolade konnte bereits probiert werden. Auch Christopher Wilbrand aus Odenthal hatte Vorbereitungen getroffen: „Meine Korianderblätter brauchen ein paar Tage, um so zu werden, wie ich das will.“


Für die anderen gab es nach stürmischer Überfahrt entsprechend Mehrarbeit direkt nach der herzlichen Begrüßung im Hafen. Von Erschöpfung am Abend aber keine Spur: Köche wissen, wie man feiert!
Am „großen Tag“ dann wieder professionelle Gelassenheit und Akribie beim Anrichten an den Kochstationen, die quer durch die modern gestalteten Räume des Hotels verteilt waren. Fast schon ein wenig verwundert reagierten die „alten Hasen“ des Walking Dinner auf die Zurückhaltung und die Disziplin der knapp 100 Gäste: Kein Kampf um die ersten Plätze beim ausgezeichneten Kaviar, kein Drängeln bei Dieter Müller und dass es zu irgendeinem Zeitpunkt hätte heißen können: „Tut mir leid, davon ist nichts mehr da“ – im Norden undenkbar. „Das ist schon sehr entspannt hier“, konstatierte so auch Markus Haxter, der sich viel Zeit nehmen konnte, um seine Gäste über Espuma aus dem Gourmet-Whip und andere Feinheiten seiner Kreation aufzuklären. Und Arne Weber genoss die letzten Gänge am Stehtisch: „Diese lockere Art – das hat mir gefallen!“


Zum Abschluss luden die Gastgeber – je nach Lust und Laune – zu Bier oder Champagner ein, um auf einen nahezu perfekten Abend anstoßen zu können. Hoteldirektor Langer: „Ich bin jetzt seit 20 Jahren in der Hotellerie tätig und habe bestimmt an die 300 Veranstaltungen mitgemacht. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt!“ Alles habe gestimmt: Köche, Stimmung und Location. „Das war auch für die Einheimischen eine absolute Attraktion!“

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